Wenn Lernen nicht an der Klassentür endet
Es begann als Schulprojekt an der Berufsbildenden Schule Eike von Repgow. Eine Aufgabe, ein Name, historische Recherche. Doch je tiefer die Auszubildenden in die Geschichte von Siegfried Beifus eintauchten, desto klarer wurde, dass daraus mehr entstehen musste als eine benotete Arbeit.
Siegfried Beifus lebte zuletzt in der Ebendorfer Straße in Magdeburg. Er wurde 1942 von den Nationalsozialisten ermordet. Seine Biografie erzählt von Entrechtung, Verfolgung und einer systematischen Entmenschlichung. Für die Schülerinnen und Schüler blieb diese Geschichte nicht abstrakt. Sie wurde greifbar, lokal, persönlich.
„Am Anfang war es ein Schulprojekt“
Jonas, einer der beteiligten Auszubildenden bei regiocom, bringt es so auf den Punkt:
„Am Anfang war das für uns einfach ein Schulprojekt. Aber je tiefer wir in die Geschichte eingestiegen sind, desto deutlicher wurde uns, was ein totalitäres Regime mit den Menschen macht.“
Aus dieser Auseinandersetzung entstand der Wunsch, ein sichtbares Zeichen zu setzen. Ein Zeichen im Stadtbild. Einen Stolperstein, der an genau diesem Ort an Siegfried Beifus erinnert. Die Initiative dazu ging vollständig von den Schülerinnen und Schülern aus.
Erinnern braucht Initiative. Und Unterstützung.
Die Auszubildenden recherchierten nicht nur die Biografie, sie kümmerten sich auch um die Umsetzung des Projekts. Sie organisierten die Finanzierung und suchten Unterstützer. In diesem Rahmen kamen sie auf regiocom zu.
Wir haben das Projekt durch eine Spende mitfinanziert. Mehr nicht. Keine Kampagne, kein Konzept, kein Auftrag. Und genau das soll so auch sichtbar bleiben. Die Arbeit, der Impuls und die Verantwortung lagen bei den jungen Menschen, die sich entschieden haben, Erinnerung nicht delegiert enden zu lassen.
Warum wir darüber sprechen
Nicht, um uns mit fremdem Engagement zu schmücken. Sondern um das zu würdigen, was unsere Auszubildenden hier geleistet haben. Haltung entsteht nicht durch Leitbilder, sondern durch Menschen, die Verantwortung übernehmen, auch wenn niemand sie dazu verpflichtet.
Der Stolperstein für Siegfried Beifus liegt nun in Magdeburg. Man kann im Alltag darüber hinweggehen. Oder kurz stehen bleiben. Beides ist möglich. Entscheidend ist, dass er da ist.
Infobox: Was ist ein Stolperstein?
Stolpersteine erinnern an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Sie liegen meist vor dem letzten frei gewählten Wohnort der betroffenen Person. Die vom Künstler Gunter Demnig initiierte Aktion gilt mit mehr als 116.000 verlegten Steinen als größtes dezentrales Mahnmal der Welt.



























